Digitaler Nachlass – Wer kümmert sich um Ihre digitalen Konten, wenn Sie verstorben oder handlungsunfähig sind?

Als ­Digitaler Nachlass, auch ­Digitales Erbe, werden die Benutzerkonten, Daten im Internet sowie auf ihren Rechner und Datenträgern bezeichnet.

Digitaler Nachlass im privaten und geschäftlichen Bereich

– Wer erhält Zugang zu Ihren digitalen Konten, wenn Sie verstorben oder handlungsunfähig sind? -

Als Digitaler Nachlass, auch Digitales Erbe, werden die Benutzerkonten, Daten im Internet sowie auf ihren Rechnern und Datenträgern bezeichnet.

Ein zunehmender Teil des Lebens, auch des Geschäftslebens, wird ins Internet verlagert. Gerade E-Mail Konten sind längst so wichtig wie der Briefkasten, ebenso der Zugang zur website, Geschäftskorrespondenz, Passwort-Wiederherstellung, oder Rechnungen laufen über diese. Doch wer kommt an Ihre Konten heran, wenn etwa der Betreuungsfall eintritt und ein Dritter sich um Ihre Angelegenheiten kümmern muss?

Herausgabe von Passwörtern umstritten

Die Herausgabe des Passwortes durch den Anbieter der Konten ist umstritten, denn E-Mails fallen unter das grundgesetzlich geschützte Post- und Fernmeldegeheimnis. Es fehlt derzeit noch eine auf E-Mail Provider bezogene gesetzliche Regelung, was etwa  nach dem Tode mit den Daten geschehen soll, ob der Erben, wie beim Postbrief, einen Anspruch auf Herausgabe haben, oder ob der Kommunikationsvorgang über den Tod hinaus geschützt bleibt. Aufgrund dieser ungeklärten Rechtslage müssen Sie damit rechnen, dass der Provider die Herausgabe der Daten verweigert.

Auf ähnliche Probleme werden Betreuer, z. B. Verwandte mit einer Vorsorgevollmacht, stoßen. Im optimalen Fall wird der Provider auf den Nachweis der Vertretung in Rechtsgeschäften durch eine Vorsorgevollmacht oder den Betreuerausweis bestehen. Da der Provider i. d. R. nicht in Ihrem Wohnort sitzt, wird die Vorlage der Vollmacht per Post notwendig, hier bietet eine notarielle Vollmacht den Vorzug einer ersetzbaren Ausfertigung.

Viele E-Mail Anbieter haben Ihren Sitz im Ausland. Bei diesen müssen Sie von einer anderen/unklaren Rechtslage ausgehen.

Da die Rechtslage sowohl in Deutschland, erst recht im Ausland, ungeklärt ist, sollten Sie eine Lösung unabhängig vom Anbieter anstreben.

Lösungswege:

  1. Die leichteste Lösung ist das Anlegen einer Passwortliste, welche Sie etwa Ihrem Vertrauten der Vorsorgevollmacht zugänglich machen. Da neue Accounts im Laufe der Zeit hinzu kommen und Passwörter regelmäßig geändert werden sollten, müssen Sie ständigen Zugriff auf die Liste haben. Daher ist diese Lösung nur bei uneingeschränktem Vertrauen sachgerecht.
  2. Externe Dienstleister bieten Passworthinterlegungen an. Hiervon ist abzuraten, denn Sie können nicht nachvollziehen wie sicher der Dienstleister Ihre Passwörter schützt, ob dieser selbst Zugang zu den Passwörtern hat und ob dieser Anbieter in 10 Jahren noch existiert.
  3. Die Hinterlegung einer Passwortdatei oder einer Passwortliste beim Notar im Anhang an ein Testament oder eine Vollmacht ist möglich. Durch die Verschwiegenheit des Notars ist hier auch der Schutz Ihrer Daten gewährleistet. Jedoch fällt hier wieder das Problem von neuen Konten oder regelmäßigen Passwortänderungen an. Dieses Modell ist nur bei besonders sensiblen Daten, wie bei Geschäftskunden, zu empfehlen. Die Aktualisierung der Listen erzeugen jedes Mal Kosten.
  4. Für den privaten und geschäftlichen Bereich gibt es die Möglichkeit eine passwortgeschützte Datei mit einer Passwortliste durch ein zuverlässiges Verschlüsslungsprogramm anzulegen und diese dem ständigen Zugriff des Vollmachtsgebers, bzw. Testators, zu überlassen. An wen und wann und welche Weise das Passwort vom Notar herausgegeben wird, kann beurkundungstechnisch in die Urkunde aufgenommen werden.

Egal für welche Lösung Sie sich entscheiden, wichtig ist, dass Sie sich dem Problem rechtzeitig zuwenden. Rechtzeitige Beratung spart Geld und Nerven.

Weitere Informationen zu den Themen Testament [hier] und Vorsorgevollmacht [hier] finden Sie auf meiner Homepage.

Weite Informationen zum Thema „digitale Vorsorge“ finden Sie im Aufsatz: Gloser, S (Januar 2015). „Digitale Vorsorge“ in der notariellen Praxis. Deutsche Notar Zeitschrift (DNotZ), S. 4-20.

Wichtiger Hinweis!

Diese Informationen können nur einen ersten Einblick in die komplizierte und weitergehende Materie darstellen. Die Informationen auf meiner Website sind insbesondere keine Beratung oder Vertretung im Einzelfall, für die ich eine Haftung übernehme.

(C) 2015, RA&Notar Peter Pietsch, Berlin.

 

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